Freitag, 7. November 2014

[Rezension] Marissa Meyer - Cinder



390 Seiten | Verlag: Square Fish | Sprache: Englisch (fortgeschritten) | Reihe: The Lunar Chronicles | Themenschwerpunkt: Starke Frauen im Fokus

Plot-Quickie: Cinder ist ein Teenager-Cyborg und weiß nichts von ihrem Leben vor dem Unfall, der sie zum Teil zur Maschine gemacht hat. Als sie den gut aussehenden Prinzen Kai trifft, startet eine Kette unheilvoller Ereignisse, die Cinders Leben in Gefahr bringen.

Kommentar: 
Cinder opened her eyes. The netscreen on the wall had changed, no longer showing her life stats. Her ID number was still at the top, headlining a holographic diagram.
Of a girl.
A girl full of wires.

It was as if someone had chopped her down the middle, dividing her front half from her back half, and then put her cartoonish image into a medical textbook. Her heart, her brain, her intestines, her muscles, her blue veins. Her control panel, her synthetic hand and leg, wires that trailed from the base of her skull all the way down her spine and out to her prosthetic limbs. The scar tissue where flesh met metl. A small dark square in her wrist - her ID chip.
But those things she had known. Those things she had expected.
She had not known about the metal vertebrae along her spine, or the four metal ribs, or the sythetic tissue around her heart, or the metal splints along the bones in her right leg.
The bottom of the screen was labeled:
RATIO: 36.28%
She was 36.28 percent not human.
[Meyer, p.82]


Kurz gesagt: Cinder ist der Hammer.

Etwas ausführlicher: Ein gutes Stück in unserer Zukunft hat die Welt einiges durchgemacht. High-Tech-Gerätschaften sind Alltagsware, Androiden gehören zum Hauspersonal, klassische Autos sind Antiquitäten. Die Medizin hat sich bedeutend weiterentwickelt - Menschen können trotz schwerer körperlicher Beeinträchtigungen ein gutes Leben führen. Dank der Cyborg-Technologie. Allerdings sind diese Cyborgs der restlichen Bevölkerung nicht ganz geheuer und so werden diese technisch modifizierten Menschen ausgegrenzt und mit Argwohn betrachtet.
Auch Cinder muss mit den Anfeindungen ihrer Mitmenschen leben. Schlimmer als das ist jedoch der Hass, den ihr ihre eigene Stiefmutter entgegenbringt.
Die Welt, die Meyer hier kreiert hat ist bildhaft und eindrucksvoll. Besonders gut geschildert ist die Art der Ausgrenzung, die Cinder erfährt. Die Diskriminierung der Cyborgs (und z.T. auch der Lunars) erinnert an aktuelle Diskriminierungs-/Rassismus-Debatten. Aufgrund ihrer Andersartigkeit werden Cyborgs, also Menschen, die teilweise aus Roboter-Teilen bestehen, von "ganzen" Menschen gemieden und als minderwertig bzw. weniger menschlich empfunden. Das ist ein Konzept, dass uns aus unserer eigenen Geschichte wohl nicht unbekannt ist. Man denke nur an den Anitsemitismus, die Apartheit etc. etc..

Cinder allerdings lässt sich davon nicht unterkriegen. Sie baut sich ihre eigene Existenz als Mechanikerin auf (in diesem Gebiet beweist sie ungeheures Talent) und ist damit Hauptverdienerin ihrer Familie. Normalerweise würde das wohl bedeuten, dass Cinder dadurch einen hohen Stellenwert im Familiengefüge hat, dem ist allerdings nicht so. Ihrer Stiefmutter nutzt sie schamlos aus und da Cinder ihr legal unterstellt ist, kann sie noch nicht einmal ihr hart erarbeitetes Geld für sich behalten. Doch Cinder beißt die Zähne zusammen und arbeitet an einem Ausweg aus ihrem Übel. Ihr verzauberter Kürbis erweist sich ausgerechnet als antiquiertes Automobil, das sie liebevoll restauriert und dabei Hilfe von ihrer fairy godmother erhält - einem Androiden mit mehr Persönlichkeit als man es einer künstlichen Lebensform zutrauen würde.

Im Verlauf der Handlung zeigt Cinder uns, dass sie mehr als nur ein unglückliches Mädchen ist, das von einer besseren Zukunft träumt. Sie braucht keinen Traumprinzen, der sie aus dem Elend holt (auch wenn es kurzzeitig so aussehen mag, als würde er genau das tun ... doch wie kann man sich irren!). Stattdessen weicht sie allen Steinen, die ihr in den Weg gelegt werden, aus und zeigt sich auch in schwierigen Situationen als intelligent und selbstständig. Statt auf den Prinzen mit seinem weißen Gaul zu setzen, packt sie lieber selbst an und tut, was sie für richtig hält. Und sie ist klug genug, ihrer Andersartigkeit zu ihrem Vorteil zu nutzen.


Cinder ist ein Mädchen ganz nach meinem Geschmack. Sie hat Schwächen und Stärken, trifft gute und schlechte Entscheidungen und muss währenddessen mit ihren Unzulänglichkeiten kämpfen. Sie bleibt aber selbstbestimmt und mutig.
Ein Spoiler zu Scarlet: // Scarlet stützt sich im Gegensatz zu Cinder auf ihren männlichen Nebenpart Wolf. Sie wirkt zwar oberflächlich stark und abgeklärt, klammert sich aber sofort an Wolf, obwohl der ein Unbekannter ist und einigen Grund zur Annahme gibt, dass er kein vertrauenswürdiger Kerl ist. In schwierigen Situationen vertraut sie darauf, dass Wolf sie retten oder ihr zumindest helfen wird. Sie wirkt insgesammt sehr viel schwächer und weniger selbstbestimmt als Cinder, obwohl sie ein paar Jahre älter ist. Das wird besonders auffällig, da Cinders und Scarlets Erzählperspektive im zweiten Band abwechseln. Und Cinders Auftakt dort ist phänomenal... //

Was das Märchenelement der Geschichte angeht ist Cinder eine mehr als gelungene Neuerzählung. Eine SciFi Cyborg Cinderella hat bestimmt noch keiner vor Augen gehabt, wenn er an den Märchenklassiker dachte. Dennoch ergbibt die Geschichte in dieser Form ein schönes Gesamtbild.
Da sich die Handlung des Romans im Wesentlichen an die wichtigsten Punkte im Märchen hält, sind einige Dinge selbstverständlich vorhersehbar. Das macht allerdings gar nichts, Lesevergnügen gibt es mehr als genug und tatsächlich ist es gar nicht so wichtig, ob man das große Geheimnis schon zu Beginn selbst gelüftet hat - darum geht es hier gar nicht.
Viel interessanter ist Cinder dort, wo es von der Vorlage abweicht. Hier kommt das Aschenputtel auch ohne fremde Hilfe ganz gut zurecht - zumindest braucht es keinen Prinzen, der ihr ein neues Leben zu Füßen legt (wortwörtlich). Cinder ist nicht perfekt, der Prinz ist es auch nicht. Die Geschichte ist nicht eine von der großen Liebe sondern eine von großem Mut.

5 von 5 Punkten

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Buchversionen:

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                                                                                                   Deutsch: Wie Monde so silbern

1 Kommentar:

  1. Huhu!

    Ich weiß gar nicht, wie lange ich jetzt schon um diese Reihe herumschleiche ... Die Idee klingt einfach klasse, trotzdem habe ich es noch nie geschafft, mehr als die Leseprobe zu lesen. Irgendwie ist mir immer irgendwas dazwischen gekommen, zuletzt war es die Arbeit für die Uni (Das Thema war "Digital Humidity Sensor", sehr spannend :)). Überlege ja auch die ganze Zeit schon, ob ich es vielleicht hören sollte, aber da brauche ich wohl noch länger ...

    Liebe Grüße
    Marie

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