Sonntag, 23. November 2014

[Rezension] Eloisa James - Once Upon a Tower

Diese Rapunzel-Version hält so einiges bereit: eine männliche Jungfrau, vorgetäuschte Orgasmen, Cello-Konzerte im Nachthemd, einen einsamen Turm und dressierte Schweine.



404 Seiten | Verlag: Avon | Sprache: Englisch (fortgeschritten)


Plot-Quickie: Die junge Edie erlebt ihr Debut in einem Fieberrausch und bezirzt mit ihrer ätherischen Art einen schottischen Duke, der gleich am Tag darauf um ihre Hand anhält - nach einer baldigen Hochzeit finden die zwei raus, das es einiges braucht, um eine gute Ehe zu führen. Allen voran ein wenig Zeit für den Ehepartner.


Kommentar:
He had married Edie. He had put his ring on her finger. He had bedded her. And yet there was some part of her that eluded him. He felt it, more and more clearly, and it was driving him mad. He had wanted her the moment he saw her, so he'd arranged to marry her. And yet he didn't have her. The truth of it made an animal howl threaten to break loose in his chest.
[James p.264f]


Was in Once Upon a Tower geboten wird, bringt frischen Wind in die normalerweise doch recht ähnlich konstruierte historical romances-Szenerie - anstatt bei ihrer Entjungferung gleich in den sexuellen Himmel aufzusteigen, muss Edie erkennen, dass das erste Mal ganz schön unangenehm sein kann ... dummerweise befindet sich ihr Gatte in dieser Hinsicht selbst in Neuland und weiß auch nicht so genau, was er da tut. Das bringt Edie in eine unangenehme Situation. Schließlich mag sie ihren Mann und will ihn nicht enttäuschen (und er bemüht sich wirklich redlich!). Leider wird's auch beim zweiten, dritten und vierten Mal nicht viel besser ... sie weiß sich nicht anders zu helfen und täuscht schließlich ihre Höhepunkte vor, damit er seine Bemühungen nicht die ganze Nacht fortführt...
Natürlich ist das nicht der perfekte Start in die Ehe und das muss Edie auch bald erkennen. Doch in dieser Ehe stinkt eh einiges gewaltig. Vor allem, dass ihr (wirklich sehr netter und liebenswerter) Gatte eigentlich gar keine Zeit für sie zu haben scheint. Stattdessen gibt es Tag aus Tag ein geschäftliche Besprechungen und sie wird beim Essen und am Abend zum Erfüllen der ehelichen Pflicht eingeschoben. Das gefällt Edie gar nicht - doch wenn sie ehrlich ist, hat sie auch nicht so viel Zeit für Gowan, denn sie ist eine Virtuosin am Cello und verbringt den größten Teil des Tages mit Üben. Nichtsdestotrotz würde sie sich gern mehr Zeit für Gowan nehmen, doch der scheint nicht sehr daran interessiert zu sein.

Es ist absolut erfrischend in dieser Roman-Gattung von einem romantischen Helden zu lesen, der so gar nicht ins gängige Schema passt. Ja, auf den ersten Blick ist Gowan ein temperamentvoller, überaus attraktiver und selbstsicherer Schotte, der sich nimmt, was er will. Doch das Bild, das zu Beginn von ihm gezeichnet wird, löst sich schon bald in Luft auf. Zuallererst wird man mit dem Fakt geschockt, dass Gowan selbst noch Jungfrau ist und somit keinerlei praktische Erfahrungen in dieser Hinsicht hat. Doch er ist es gewohnt jedes Problem zu lösen und in jeglicher Hinsicht Erfolg zu haben - und so geht er auch an seine Ehe und das Ehebett heran. Als er merkt, dass dort etwas nicht stimmt, setzt er alles daran, um dem Problem auf die Schliche zu kommen und eine Lösung dafür zu finden. Allerdings ist er es so gewohnt, alles alleine zu regeln, dass er seine Frau kaum miteinbezieht - und da liegt natürlich der Fehler. Denn eine Ehe besteht nun mal aus mehr als einer Person.
Es ist amüsant und bezaubernd zu lesen, wie diese beiden temperamentvollen und etwas schrägen Persönlichkeiten sich langsam von ihren respektiven schützenden Inseln lösen und aufeinander zubewegen müssen, um aus einer Ehe eine Beziehung zu machen. Sowohl Edie als auch Gowan geben sich selbst Schuld an dem vermeintlichen Versagen ihrer Ehe und müssen doch nach und nach erkennen, dass die Antwort so einfach nicht ist. Und dass es einiges an Arbeit und einer Bereitschaft zur gegenseitigen Hin- und Aufgabe braucht, um diese Beziehung zu einem wahren Erfolg zu machen.

Wer Lachen und Schmunzeln will und nach einer völlig anderen Rapunzel-Version oder aber auch nach einer erfrischenden Abwechslung im Historical Romance-Genre sucht, der ist bei Once Upon a Tower goldrichtig.

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Buchversionen:
https://www.amazon.de/Once-Upon-Tower-Fairy-Tales/dp/0062223879/ref=as_sl_pc_ss_til?tag=blattgold-21&linkCode=w01&linkId=4VFM5DD3ELNQ5LBH&creativeASIN=0062223879

Kommentare:

  1. Hallo ich hab gesehen, dass du den strange angels teil 3 auf englisch gelesen hast, weißt du zufällig ob die bücher auch noch auf deutsch übersetzt werden ?

    (Als Pan geschlossen hat, hatte ich geschaut und da sollten einige bücherreihen vom droemer verlag übernommen werden. Und diese war auchdabei, doch irgendwie finde ich keine informationen.)

    Danke im Voraus. :)

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  2. Dieses Buch hier ist definitiv besser als Pop:

    http://laputa-verlag.blogspot.de/2015/03/dieses-buch-ist-besser-als-pop.html

    !!!

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  3. Also, vom Cover her hätte ich auf eine ganz andere Geschichte geschlossen, da hast du recht :). Was man geboten bekommt, weicht aber wirklich vom üblichen Schema ab, das stimmt. Gut so!

    Liebe Grüße
    Ascari

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  4. Die Cover ignoriere ich ja mittlerweile meistens, weil ich mich an denen schon so sattgesehen habe ... Aber diese Geschichte gefällt mir, schade, dass ich da noch einen Prospektständer für Werbung für solche Bücher in der Buchhandlung gesehen habe.

    Liebe Grüße
    Marie

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